· Finanzierung & Förderung

Welche Bürgschaft bevorzugen Banken?

Mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbanken erhalten Gründer und Unternehmer, die über wenig Sicherheiten verfügen, schneller eine Finanzierung. Finde heraus, ob eine Bürgschaft für dich sinnvoll ist, welche Bürgschaften es gibt und wie du sie beantragst.

Wie du dir eine nachhaltige und stabile Finanzierung aufbaust

Männlicher Unternehmer ist zufrieden mit dem Erhalt eines Kredits und schüttelt seinem Banker die Hand.
Mit einer Bürgschaft in der Hand steigen die Chancen auf eine Finanzierung.

Was ist eine Bürgschaft?

Eine Bürgschaft ist ein Vertrag zwischen einem Gläubiger (hier: die Hausbank) und dem Bürgen (hier: die Bürgschaftsbank), wonach diese für einen Schuldner (hier: Kreditnehmer/-in oder Kredit nehmendes Unternehmen) haftet.

Wann ist eine Bürgschaft sinnvoll?

Eine Bürgschaft ist immer dann sinnvoll, wenn Gründer/-innen oder kleine Unternehmen über keine oder nur eingeschränkte Sicherheiten verfügen, um das Ausfallrisiko für eine Finanzierung gegenüber ihrer Bank sicherzustellen. In diesen Fällen sind die Bürgschaftsbanken erste Ansprechpartner für ein gemeinsam geschultertes Risiko.

Wettbewerbsnachteile ausgleichen

Vielversprechende Geschäftsmodelle dürfen nicht an mangelndem Kapital scheitern. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Existenzgründer verfügen auf dem Kapitalmarkt jedoch nur über eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten. Für kleine Handwerksunternehmen oder Soloselbständige ist der Börsengang oder VC-Kapital keine Option für die Gewinnung von Investitionskapital. Sie sind gegenüber Großunternehmen benachteiligt. Aufgabe der Bürgschaftsbanken ist es, diesen Nachteil auszugleichen. Sie arbeiten nicht gewinnorientiert und dienen dem Zweck der Wirtschaftsförderung.

Bis zu 80% des Ausfallrisikos trägt die Bürgschaftsbank

Die Bürgschaftsbank trägt das Ausfallrisiko der Rückzahlung eines Kredites für das Kreditinstitut in der Regel bis max. 80 Prozent. Durch die teilweise Haftungsfreistellung sind Banken schneller bereit auch schwierigere Finanzierungsvorhaben mitzugestalten. 

Das bedeutet jedoch keinen Freifahrtschein für unrealistische Projekte. Bedenke, dass du im schlimmsten Falle einer Zahlungsunfähigkeit weiterhin mindestens 20 Prozent der Darlehenssumme an deine Hausbank schuldig bleibst.

TIPP: Auch für einen Kreditantrag mit Bürgschaft ist der Businessplan dein wichtigstes Nachweisdokument für ein erfolgreiches Bankgespräch. Achte hier besonders auf einen schlüssigen Finanzplan!

Welche Bürgschaften gibt es?

1. Klassische Bürgschaft (Ausfallbürgschaft):

Gründer/-innen und Unternehmer/-innen, die über zu wenig Sicherheiten verfügen und bereits eienn Kreditantrag gestellt haben, reichen den Antrag für eine Bürgschaft direkt über ihre Hausbank ein. Diese verfügt über alle Informationen und Unterlagen und leitet deine Anfrage an die zuständige Bürgschaftsbank weiter. Die maximale Bürgschaftssumme beträgt 1,25 Millionen EUR.

Wichtig: Unternehmen, die vor Ausbruch des Ukraine-Krieges wirtschaftlich tragfähig gewesen sind und nun unmittelbar von den Auswirkungen der Ukraine-Krise (u.a. Russland-Sanktionen) betroffen sind, können noch bis zum 31.12.2022 einen krisenbedingt erhöhten Bürgschaftsbetrag erhalten (max. 2,5 Millionen EUR).

2. Bürgschaft ohne Bank:

Eine direkte Antragstellung ohne Hausbank ist nur beim Programm „Bürgschaft ohne Bank“ (BoB) möglich. Die meisten Bürgschaftsbanken in Deutschland bieten dieses Programm an. Solltest du noch keinen Finanzierungsantrag gestellt haben, kannst du dich direkt um eine Bürgschaft bei deiner Bürgschaftsbank des Landes bemühen.

Maximal 250.000 EUR Bürgschaft ohne Bank

Nachteil beim Programm Bürgschaft ohne Bank: Die Bürgschaftsbeträge fallen deutlich kleiner aus. Sie liegen in der Regel maximal bei 250.000 EUR. Auch gilt die Zusage nur vorbehaltlich im Zusammenhang mit einer Kreditbewilligung deiner Hausbank/Finanzierungspartner deiner Wahl. Du musst dich also in der Regel innerhalb weniger Monate um das passende Darlehen bemühen, sonst verfällt die Bürgschaftszusage und du musst mit zusätzlichen Bearbeitungskosten rechnen.

Wer kann eine Ausfallbürgschaft erhalten?

Eine Bürgschaft erhalten grundsätzlich alle bestehenden und neu gegründeten gewerblichen Unternehmen sowie Freie Berufe, denen wegen fehlender Absicherung kein oder kein ausreichender Kredit gewährt würde.

Ein tragfähiger Businessplan entscheidet

Voraussetzung für den Erhalt einer Bürgschaft ist der Nachweis eines betriebswirtschaftlich tragfähigen Finanzierungsvorhabens. 

Wo kann ich die Bürgschaft beantragen?

Je nach Bürgschaft wendest du dich entweder an deine Hausbank (klassische Bürgschaft) oder direkt an die Bürgschaftsbank in deinem Bundesland (Bürgschaft ohne Bank). Sämtliche Bürgschaftsbanken und Mittelständische Beteiligungsgesellschaften sind im Verband deutscher Bürgschaftsbanken e.V. organisiert. 

Hier kannst du unkompliziert online eine Finanzierungsanfrage stellen und erhältst alle wichtigen Informationen zu den Konditionen für Bürgschaften an deinem Standort.

Bürgschaft: Wann muss ich zahlen?

Die Bürgschaftsbank arbeitet nicht gewinnorientiert, weshalb nur geringe Gebühren anfallen. Im Falle der Ablehnung eines Bürgschaftsantrags fallen in der Regel keine Kosten an. Eine Ausfallbürgschaft kostet eine einmalige Bearbeitungsgebühr und eine jährliche Bürgschaftsprovision.

Die genauen Konditionen variieren je nach Bürgschaftsbank und Bundesland. Am Beispiel der Bürgschaftsbank Nordrhein-Westfalen:

  • Ablehnung Bürgschaftsantrag oder Zurückziehung: keine Kosten
  • Bewilligung der Bürgschaft: 1,5 % der Kreditsumme und mindestens 400 EUR als Bearbeitungsentgelt 
  • Jährliche Bürgschaftsprovision: 1,0 bis 1,5 % des Kreditbetrags; z.B. in Nordrhein-Westfalen: bis 50 % des Ausfallrisikos: 0,70 % des Kreditbetrages / bis 60 % des Ausfallrisikos: 1,00 % des Kreditbetrages / bis 70 % des Ausfallrisikos: 1,25 % des Kreditbetrages / bis 80 % des Ausfallrisikos: 1,50 % des Kreditbetrages

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen schreibt im Magazin von Zandura über die wichtigsten News für Gründer und junge Unternehmen. Digitale Trends, Tipps für deine Marke, Gründungs- und Wachstumschancen erfährst du hier. Zuvor war Kathleen für Social Start-ups, Stiftungen und Digitale Plattformen redaktionell verantwortlich. Seit 2019 ist Kathleen Chefredakteurin von Zandura.

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