26.03.2021

Bootstrapping oder wie du schlank und schnell ein Unternehmen gründest

"Sich am Riemen zu reißen" ist sinngemäß die Bedeutung von Bootstrapping. Für Gründer heißt das schnell und schlank gründen auch mit wenig Kapital. Warum es wirtschaftlich sinnvoller ist, ein Geschäftsmodell nach der 80/20-Regel zu entwickeln, anstatt nach Perfektion zu streben, liest du hier.

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Schnell in die Spur kommen mit Bootstrapping

Bootstrapping: "Reiß dich am Riemen und deine Ausgaben zusammen!"

Das ursprünglich vom "Stiefelriemen" abgeleitete Motto des Bootstrapping ist auch unter dem Begriff Lean Management bekannt. Lean Entrepreneure gelten dem Wortsinne nach als "schlank" und "schnell". Ein Mangel an Kapital behindert sie nicht, im Gegenteil, "Not" macht erfinderisch und beflügelt im besten Fall neue Ideen.

Als Lean Entrepreneure gelten auch Bootstrapper, die sich mit eigener Kraft und ohne externe Hilfe für das eigene Unternehmen genau das: "Am Riemen reißen" müssen.

Was ist ein Minimum Viable Product und warum brauche ich das?

Bootstraaping bedeutet, dass du flexibel und mit wenigen Ressourcen trotzdem zu schnellen Ergebnissen kommst. Ganz entscheidend dabei ist die Entwicklung eines prinzipiell tragfähigen Geschäftsmodells, das du am besten mit einem Businessplan darstellst. 

Wenn es darum geht deine Geschäftsidee zu schildern, lege ein Minimum Viable Product oder sinngemäß "ein brauchbares Produkt mit minimalen Eigenschaften" fest. Damit hast du eine Basis-Version für jedes neue Produkt, Dienstleistung oder Angebot.

Voraussetzung jedes MVP ist:

  • eine Erstellung mit geringem Aufwand und 
  • eine Zweckbíndung auf die Gewinnung von Kunden- oder Anwenderfeedback.

Digitale Geschäftsmodelle sind Vorreiter bei der MVP-Erstellung, das Modell eignet sich dennoch grundsätzlich für jede Gründungsidee.

Der Begriff des Minimum Viable Product wurde das erste Mal 2001 von Frank Robinson geprägt. Das MVP als wesentliches Element der Lean Startup Methode prägten in den Folgejahren Eric Ries, Student der Computerwissenschaften und Steve Blank, Dozent an der Yale University. 2011 veröffentlichte Eric Ries seine Gedanken und Best Practices in dem Buch "The Lean Startup: How Today’s Entrepreneurs Use Continuous Innovation to Create Radically Successful Businesses".

Warum sind Bootstrapping und Lean Management als Gründungsvariante nützlich?

Ziel der Lean-Management und Lean-Entrepreneurship-Methode ist der schnellstmögliche Markteintritt mit einem neuen Produkt oder Geschäftsmodell. Das bedeutet, dass sämtliche Bemühungen für ein neues Angebot, einen Laden oder eine Service-Dienstleistung nach der 80/20-Regel erfolgen, um ein Produkt mit den wesentlichen Eigenschaften marktreif zu präsentieren. Anschließend wird kontinuierlich Kundenfeedback eingeholt, um das Produkt an den Bedürfnissen des Kunden zielgerichtet zu schärfen.

Der Vorteil darin: So vermeidest du Fehlinvestitionen in vermeintlich perfekte Produkte oder Dienstleistungen, die am Ende weniger stark nachgefragt werden, als du ursprünglich vermutet hast. Erfolgreiche Bootstrapper und Lean Entrepreneure erzielen das bestmögliche Verhältnis von Kapitaleinsatz und Markterfolg.

Wichtig oder nichtig: Die 80/20-Regel und das MVP

Zu perfektionistische Vorstellungen von der eigenen Geschäftsidee verzögern oft den Markteintritt junger Unternehmen. Verabschiede dich von zu detailverliebten Ansprüchen und entwickle ein Bewusstsein für das Wesentliche. Das Pareto-Prinzip hilft dir dabei:

Es reichen in der Regel nur 20 Prozent Einsatz, um in vielen Arbeitsbereichen ein 80-prozentiges Ergebnis zu erreichen. Wichtig oder nichtig ist die Frage.

- Pareto-Prinzip oder 80/20-Regel

Welche Regeln bedeutet das für die Umsetzung eines MVP?

Gib den Dingen die Zeit, die sie brauchen, ohne den Start deines Unternehemns oder Launch eines neuen Produkts immer wieder zu verschieben. Mit der 80/20-Regel und einem agilen MVP (minimal brauchbares Produkt) erreichst du genau diesen Konsens.

MVPs sind keine geschlossenen Projekte oder Vorhaben. Es handelt sich vielmehr um einen iterativen (=sich (mehrfach) wiederholenden) Prozess der gezielten Produktplatzierung, innerhalb dessen das Kundenfeedback zur Verbesserung und weiteren validierten Ausformulierung dient.

Mit einem MVP können Gründer ihr Produkt oder Geschäftsmodell klar am Problemempfinden bzw. der Begeisterung ihrer Kunden ausrichten. Dabei geht es noch nicht so sehr um das Erzielen von Wachstumseffekten, als vielmehr um ein optimales Product-Market-Fit.

Bootstrapping: Kein Geld ist kein Hinderungsgrund

Bootstrapping bedeutet im Gründungskontext auf externe Finanzierungen weitestgehend zu verzichten, um als Unternehmer maximal unabhängig bleiben zu können. Das hat auch Vorteile. Du behältst in jedem Fall die volle Kontrolle und Entscheidungsgewalt über dein Unternehmen - jetzt und in Zukunft. 

Die Erfahrung zeigt umgekehrt, je früher ein Unternehmen insbesondere externe Privatinvestoren hinzu zieht, umso höher sind die Anteile, die es hierfür abtreten muss. Nicht so jedoch, insofern du bereits Umsätze erwirtschaftest und deinen Proof-of-Concept (=ein funktionierendes Geschäftsmodell) beigebracht hat. Dieser Umstand verbessert deine Position für spätere Verhandlungen und erhöht augenblicklich deinen Wert.

Crowdfunding nutzen

Gänzlich ohne Kapital geht es selbstverständlich nicht. Überlege, welche alternativen Finanzierungsformen für dich neben klassischen Bankdarlehen in Frage kommen. Crowdfunding ist eine Option, um mit einer überzeugenden Kampagne Startkapital zu generieren. 

Mikrokredite für Gründer

Kleinunternehmen und Gründer haben häufig ohnehin Schwierigkeiten, über ihr persönliches Umfeld oder den Markt einen Kredit zu erhalten. Mikrokredite aus dem Mikrokreditfonds Deutschland sollen hier Abhilfe schaffen. Das namentliche Programm Mein Mikrokredit wird vom verantwortlichen Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) verwaltet. 

Der Schwerpunkt der Unternehmen, die in der Vergangenheit einen Mikrokredit erhalten haben, sind Dienstleistungen aller Art, gefolgt von den Branchen Gastronomie und Einzelhandel. In über 90% der gestellten Finanzierungsanfragen erhalten die Antragsteller eine Zusage. In 80 Prozent der Fälle erfolgt die Bewilligung ohne Sicherheiten und Bürgschaften.

Du kannst zwischen 1000 EUR und 25.000 EUR Kreditsumme beantragen und das Geld für alle unternehmerischen Bereiche einsetzen. Dazu zählen u.a. Anschaffungsdarlehen, die Vorfinanzierung von Aufträgen, saisonale Investitionshilfen, Stufenkredite zum Aufbau neuer Geschäftsbereiche u.v.m.

Gründen mit Sinn und Struktur

Die Top-Gründungsmotive: Familientradition, Nachhaltigkeit oder doch hohes Einkommen?

Die Fortführung der Familientradition ist in Deutschland das beliebteste Gründungsmotiv, vor dem Wunsch, "die Welt zu verändern" oder nach mehr Geld. Damit liegen deutsche Gründer in der Bevorzugung nicht-ökonomischer Gründungsmotive auf Platz 3 im internationalen Vergleich des Global Entrepreneurship Monitor. Finde jetzt Unterstützer für deine Unternehmensnachfolge, Innovation oder zur Umsetzung nachhaltiger Geschäftsideen.

Geschäftsmodell entwickeln in 10 einfachen Schritten

Du weißt, dass deine Idee rockt, aber wissen das auch die Anderen? Mit deinem Geschäftsmodell legst du den Grundstein für deine Unternehmensgründung. Von der unternehmerischen Vision, dem Nutzwert deines Angebots für relevante Zielgruppen bis hin zum Ertragsmodell braucht es nur 10 Schritte für ein funktionierendes Geschäftsmodell.

Crowdfunding als Unternehmensfinanzierung

Nutze Crowdfunding als attraktive Form der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung für kleine Unternehmen. Diese Formen und Anbieter sind relevant. Durch die EU-Crowdfunding-Verordnung haben Banken nicht länger ein Monopol auf die Kreditvergabe. Dies eröffnet neue Finanzierungspielräume für dein Herzensprojekt.

Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen schreibt im Magazin von Zandura über die wichtigsten News für Gründer und junge Unternehmen. Digitale Trends, Tipps für deine Marke, Gründungs- und Wachstumschancen erfährst du hier. Zuvor war Kathleen für Social Start-ups, Stiftungen und Digitale Plattformen redaktionell verantwortlich. Seit 2019 ist Kathleen Chefredakteurin von Zandura.

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