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Matthias Henze, CEO von Jimdo: Stille Helden ans Licht

»In den Selbstständigen steckt eine Riesenchance, und wir sind dabei sie zu verpassen, weil wir sie oft schlichtweg übersehen.« Matthias Henze, CEO und Mitgründer von Jimdo will die Kraft der Kleinunternehmen entfesseln. Ein Interview über passgenaue Digitalisierung, den Gründerstandort Deutschland und deine Chance auf 10.000 EUR Durchstart-Bonus.

Website erstellen mit Jimdo: Wer keine hat, hat schon verloren

Matthias Henze lehnt in entspannter Haltung und blickt den Betrachtenden lächelnd an
Mit Menschlichkeit und Verantwortungsbewusstsein über den eigenen Profit-Tellerrand hinausblicken.

Hallo Matthias, schön, dass Du Zeit für ein Interview gefunden hast. Du bist CEO und Co-Gründer von Jimdo, ein Unternehmen, das verschiedene Tools für Selbstständige bereithält. Warum habt ihr Jimdo gegründet und was genau ist euer Geschäftsmodell?

Hi Kathleen! Mit Jimdo wollten wir von Anfang an den besten Webseiten-Baukasten der Welt machen und damit jedem und jeder ermöglichen, sich im Internet mit eigenen Ideen zu präsentieren. Das sollte kein Privileg großer Konzerne mit teuren IT-Abteilungen sein.

Im Laufe der Jahre haben wir uns dann immer stärker und klarer auf Gründer*innen, Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen fokussiert. Wir sehen eine ganz besondere Stärke in diesen Unternehmen, die sie häufig nicht richtig zeigen können. Viel zu sehr sind sie mit nerviger Administration oder anderem Krims-Krams beschäftigt. So verbringen sie viel zu wenig Zeit mit dem wofür sie ursprünglich mal gegründet hatten. 

Mit Jimdo-Tools erfolgreich digitalisieren

Für sie entwickeln wir Online-Tools, die ihnen auf der einen Seite den Rücken freihalten (z.B. Rechtstextegenerator) und aber auch Zugang zu neuen Möglichkeiten bieten (Website, Online-Shop, Social Media-Integration, Kundendatenbank, Buchungstool, etc).

Das Einstiegs-Website-Produkt ist kostenfrei. Erst wenn man eine eigene Domain oder andere professionelle Tools, wie zum Beispiel den Onlineshop braucht, zahlt man monatlich eine Gebühr. Dafür bekommt man dann intuitive Werkzeuge an die Hand, die dir nicht nur Stress abnehmen, sondern dich auch inspirieren und dir damit ermöglichen deine Idee immer weiter zu entwickeln. 

Im Meer der SaaS-Dienstleister: Was macht ihr eurer Meinung nach besser als die Konkurrenz? Warum Jimdo? 

Mit Jimdo erstellst du deinen auf dich zugeschnittenen Online-Auftritt im Handumdrehen. Du brauchst null Programmierkenntnisse, Texte werden auf Basis von Fragen für dich vorgeschrieben. Seitenaufbau und -design sind immer individuell.

So individuell wie dein Geschäftsmodell

Standard-Templates sind bei uns Fehlanzeige - jede*r Selbstständige ist schließlich anders. Bilder ziehst du per Drag and Drop rüber oder du bedienst dich aus der kostenlosen Bilddatenbank. Wenn du schon ein Google-Profil hast, ziehen wir deine Business-Daten direkt auf die Website. Und so weiter und sofort.

SEO vollautomatisch, weil dich das sonst zu viel Energie kostet. Ich könnte endlos weitermachen. Dabei habe ich noch nicht über den Rechtstexte-Manager gesprochen, der dich 100%ig vor Abmahnungen schützt, weil du dir keine Sorgen machen willst. Oder darüber, wie du deinen Onlineshop direkt mit Instagram verbinden kannst –wichtig, um neue Kunden zu gewinnen. Wir geben dir also große Flexibilität, ohne dass du dich zu sehr reinfuchsen musst. 

Ach ja, unsere neuesten Dinge sind ein CRM-Tool, mit dem du deine Kundendaten sammeln kannst, ein Online Terminbuchungs-Tool und die Einbindung von WhatsApp als Kommunikationskanal, weil wir gelernt haben, dass es besonders die menschlichen Beziehungen sind, die die Kleinen (nicht nur für mich) zu etwas ganz Besonderem machen. Jetzt höre ich aber auf.. (lacht)

Im Mission Statement auf der Jimdo-Website kritisierst du, dass wir in Deutschland (D-A-CH) keine Vision für die Zukunft der kleinen Unternehmen haben. An wen richtet sich diese Kritik und was schlägst du als Lösung vor? 

Das richtet sich an uns alle. Politik, Medien, Wissenschaftler, die ganze Gesellschaft.

In den Selbstständigen steckt eine Riesenchance, und wir sind dabei sie zu verpassen, weil wir sie oft schlichtweg übersehen, die verpatzten Corona-Hilfen haben das sehr deutlich gemacht.

Die unterschätzte Kraft

Dabei sind es die Solos, die unsere Wirtschaft auf ein solides Fundament stellen, weil sie nicht nur auf den Aktienkurs schauen, sondern mit ihrem Namen für die Sache einstehen, für die sie brennen.

Kleinstunternehmer*innen sind oft regional aktiv und bieten Arbeitsplätze an dem Ort, an dem man zu Hause ist. Sie halten vielerorts ländliche Strukturen am Laufen. Sie agieren selbstverantwortlich. Ihre Größe macht sie schnell und dadurch widerstandsfähig. Ihre Kreativität bringt Innovationen hervor, die unser Land voranbringen können.

Wandel durch Wissen

Dies gelingt jedoch nur, wenn wir endlich anfangen ihren Mut zu belohnen, durch Anerkennung und Strukturen, die ihnen den Einstieg und das Leben als Selbstständige erleichtern. 

Dazu brauchen wir im ersten Schritt mehr Wissen! Wenn für die Solos eine gute, ja vielleicht sogar eine goldene Zukunft wahr werden soll, braucht es bessere Politik. Und die wird es nur geben, wenn wir die Solos genauso gut verstehen wie den Mittelstand oder die Finanzwirtschaft. Wir brauchen eine massive Forschungsinitiative mit breit angelegten Studien, neuen Lehrstühlen und interdisziplinärer Forschung. 

Mehr zur Resilienz kleiner Unternehmen in Krisenzeiten

Studie: Corona Stimmungs-Barometer 2022

Mehr als 1.000 Selbstständige und kleine Unternehmen teilen ihre Erfahrungen bei der Bewältigung der Corona-Krise. Die vollständige Studie findest du hier als Report (PDF) – zum kostenfreien Download.

In eurem News-Blog stellt ihr regelmäßig Unternehmerpersönlichkeiten aus dem Jimdo-Netzwerk in den Fokus. Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zu den “stillen Helden unserer Volkswirtschaft”?

Mega wichtig! Nichts treibt mich so an wie der direkte Kontakt zu unseren Kund*innen. Sie inspirieren mich total. Ich bewundere ihren Ideenreichtum, ihre Menschlichkeit, ihre Power. 

Von „stillen“ Helden zu echten Vorbildern

Indem wir ihre Geschichten erzählen, wollen wir dafür sorgen, dass sie nicht weiter „stille“ Helden sind, sondern echte Vorbilder, die ihr Leben in die Hand nehmen. Und die sich die Freiheit aneignen ihren Alltag so zu leben, wie es für sie passt.

Wir wollen Mut machen, damit noch mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. 

Und dann gibts da noch einen ganz pragmatischen Grund für meinen engen Austausch mit Solos: nur so können wir bei Jimdo genau die Tech-Lösungen entwickeln, die sie brauchen.

Ihr seid außerdem Herausgeber verschiedener Studien zur Situation der Soloselbstständigen und Kleinunternehmen. Was ist euer Eindruck, wo liegen aktuell die größten Hürden für Unternehmer*innen und was wünschen sich KMU vom Standort Deutschland?

Es gibt aus meiner Sicht drei große Hürden:

Erstens: mangelndes Wissen über den Sektor Solo-Selbstständigkeit. Zweitens: daraus entstehen dann hemmende Gesetze; bürokratische Monster wie etwa die DSGVO oder gut gemeinte, aber fehlgeleitete Förderungen und Hilfen. Und drittens brauchen wir mehr Mut: einen grundlegenden Mentalitätswandel weg vom deutschen Angsthasen- und Sicherheitsdenken hin zu einer offensiv unternehmerischen Haltung. Und Scheitern gehört auch dazu.

Unsere wichtigste Erhebung ist übrigens der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex. Den haben wir gemeinsam mit dem renommierten ifo-Institut initiiert. Damit haben Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen endlich ihren eigenen Wirtschaftsindex und damit schon jetzt mehr Sichtbarkeit.

Solos und Kleinstunternehmen wollen und müssen gesehen werden, um ihre Rahmenbedingungen mitgestalten zu können. Sie bekommen nicht ansatzweise die Aufmerksamkeit und Anerkennung von Politik, Medien und Gesellschaft, die sie angesichts ihrer wichtigen Rolle für uns alle verdienen.

Ist das auch der Grund für die Durchstart-Initiative? Hier verlost ihr aktuell eine Startfinanzierung von jeweils 10.000 EUR an insgesamt fünf Unternehmerinnen und Unternehmer. Wie können sich unsere ZANDURA-Mitglieder für die Auszeichnung qualifizieren?

So ist es. Kleine Unternehmen können 10.000 EUR und ein Jahr lang professionelles Business Coaching gewinnen. Wir betrachten das als eine Initiative des Zurückgebens:

Unsere Botschaft an Solos lautet: Egal, ob ihr gerade anfangt oder schon lange dabei seid – ihr gebt jeden Tag alles. Für euer Business, für die Gesellschaft, für die Wirtschaft. Höchste Zeit, euch etwas zurückzugeben. 

Meine Mitgründer Christian Springub, Fridtjof Detzner und ich erhielten vor 15 Jahren bei einem Businessplanwettbewerb einen ähnlichen Betrag und der half uns, den nächsten großen Schritt zu verwirklichen. 

Die Bewerber*innen können sich bis zum 30. Juni 2022 für den Jimdo Durchstart-Bonus anmelden. Die Voraussetzungen: Sie müssen ein Kleinstunternehmen oder eine Idee für eines haben, eine (kostenlose) veröffentlichte Jimdo-Website besitzen und in Deutschland ansässig sein. Aus den eingegangenen Bewerbungen wählt eine unabhängige Jury fünf Gewinner*innen aus und gibt sie im August bekannt. 

Wir freuen uns, Jimdo künftig als ZANDURA-Partner an Bord zu haben und starten gleich mit dem ersten Webinar zum Thema Website erstellen. Für wen ist das Webinar zu empfehlen und was genau erwartet die Teilnehmenden?

Das Webinar richtet sich an alle Gründer*innen und Selbstständigen, die sich online präsentieren und ihre Idee vermarkten wollen. Im Gegensatz zu Social Media ist die eigene Website der einzige Ort, der voll und ganz dir gehört und den du frei gestalten kannst. So wie es zu dir und deinem Business passt.

Im LIVE-Webinar in der kommenden Woche (Mittwoch, 1. Juni, um 9 Uhr) erkläre ich, wie du deine Website, zum zentralen Dreh- und Angelpunkt deines Businesses machst und zeige Best Practices, Tipps und Tricks aus über 30 Millionen gebauten Jimdo-Websites.

➔ Jetzt weiter zum ZANDURA Webinar Website erstellen mit Jimdo

Aus deiner Erfahrung als Dienstleister und zentrale Anlaufstelle für Gründende und kleine Unternehmen: Was sind deine 3 wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit?

Machen. Machen. Machen.

Jimdo-Mitgründer und CEO Matthias Henze blickt freundlich lächelnd in die Kamera
Mit Jimdo will Matthias Henze die Kraft der Kleinunternehmen entfesseln.

Und anders gefragt: Was sind deiner Meinung nach die 3 größten Erfolgskiller für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen?

Der größte Erfolgskiller ist immer, den Kunden aus den Augen zu verlieren. Sich also zu viel mit sich selbst zu beschäftigen – was man selbst gut findet – anstatt das Angebot strikt an den Bedürfnissen deiner Kunden auszurichten. 

Logisch müssen auch die Finanzen auf soliden Grundlagen stehen. Ich empfehle daher immer, ein getrenntes Konto anzulegen und wenn möglich einen Steuerberater zu beauftragen. 

Und drittens: Lasst Euch helfen, denn ihr seid nicht allein! 

Der Gründerstandort Deutschland steht immer wieder in der Kritik: Zu viel Bürokratie, Steuer-Dickicht sowie allgemein die fehlende Wertschätzung von Einzelunternehmer*innen und KMU. Glaubst du, dass mit der Ampelregierung jetzt alles besser wird?

Das hatte ich gehofft ja. Bisher sehe ich es ehrlich gesagt nicht. Und werde mich in meiner Arbeit auch nicht darauf verlassen. Darum entwickeln wir weiter Technologie, die den Alltag der Selbstständigen erleichtert.

Du hast einen Gesprächstermin mit Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und 5 min Zeit, um dein wichtigstes Anliegen vorzubringen. Welches wäre das?

Ich spreche tatsächlich mit Politikern. Robert Habeck habe ich noch nicht getroffen, aber ich würde ihm die harten Fakten nennen:

Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmern machen mehr als 81 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus mit ca. 5,7 Millionen Beschäftigten. Sie sind das Rückgrat unserer Wirtschaft und sind entscheidend für Nachhaltigkeit, Vielfalt, Resilienz und unser demokratisches Miteinander.

Unternehmertum stärken heißt Demokratie fördern

Hier würde ich auf eine Studie verweisen, die den Zusammenhang zwischen demokratischen Strukturen und Entrepreneurship belegt. Aber, die Solos haben es verdammt schwer in Deutschland und ihre wirtschaftliche Lage ist deutlich schlechter als die der Gesamtwirtschaft.

Laut Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex fühlten sich im April 2022 knapp 19 Prozent der Kleinen in ihrer Existenz bedroht, das sind mehr als doppelt so viele wie bei den Großen. Bei der Geschäftslage liegen die Kleinen ganze 20 Punkte unter der Gesamtwirtschaft.

Daher: Schenken Sie den Solo-Selbstständigen mehr Aufmerksamkeit, regen sie Forschung an und erkennen Sie endlich wie wichtig sie für uns sind und welch unglaubliches Potenzial noch in ihnen steckt. 

Zum Abschluss ein Ausblick: Welche unternehmerischen Ziele stehen 2022 auf der Jimdo-Agenda? Was sind eure nächsten Milestones und wie profitieren z.B. unsere ZANDURA-Mitglieder davon?

Wir arbeiten gerade daran unsere Tools so miteinander zu verzahnen, dass der Mehrwert für Selbstständige noch größer wird – das Ganze also mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. Für die großen Unternehmen ist tiefe Integration und Business Intelligence selbstverständlich. Wir machen das auch für die Kleinen zugänglich – so intuitiv und selbsterklärend wie sie es brauchen. 

Kund*innen sind das wichtigste Kapital

Gerade sind wir mit datenbankbasiertem CRM gestartet. Denn Kund*innen sind das wichtigste Kapital. Es ist so wichtig Kundenbeziehungen systematisch aufzubauen und langfristig zu erhalten. Mithilfe unseres neuen CRM-Systems ist die Pflege von Bestandskund*innen und die Neuakquise effizient und mit wenig Aufwand zu handlen. 

Und wir haben schon viele weitere Ideen, um Selbstständigen die Buchhaltung, Steuerthemen und Personalverwaltug entscheidend zu vereinfachen.

Es wird auf jeden Fall nicht langweilig und es gibt noch viel zu tun! 

Über Jimdo:

Jimdo Logo

Jimdo ist ein Anbieter von Online-Tools, die speziell auf die Bedürfnisse von Selbstständigen und kleinen Unternehmen abgestimmt sind. Mit dem Website-Baukasten von Jimdo wurden bis heute mehr als 32 Millionen Seiten und Onlineshops erstellt. Statista & Capital kürten Jimdo 2022 zu einem der fünf innovativsten deutschen Internet-Unternehmen. Mehr Informationen findest du auf der Website von Jimdo.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen schreibt im Magazin von Zandura und Unternehmenswelt über die wichtigsten News für Gründer und junge Unternehmen. Digitale Trends, Tipps für deine Marke, Gründungs- und Wachstumschancen erfährst du hier. Zuvor war Kathleen für Social Start-ups, Stiftungen und digitale Plattformen redaktionell verantwortlich. Seit 2019 ist Kathleen Chefredakteurin von Zandura.

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