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Metaverse: Was steckt hinter dem Hype?

Spätestens seit dem Rebranding von Facebook zu Meta ist das Metaverse in aller Munde. Was steckt hinter dem Hype? Zukunftsforscher glauben, dass ein großer Teil der Menschen bis 2030 in irgendeiner Weise an der virtuellen Welt des Metaverse teilhaben wird. Für Unternehmen ist das Metaverse eine Chance die eigene Zielgruppe auf neuen Kanälen zu erreichen. Ein Überblick.

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Mit Datenbrille zum Date im Metaverse

Woher kommt der Begriff Metaverse?

Wie so oft entstammt die Idee für das Metaverse einer literarischen Fiktion. Erstmals erwähnt wurde das Metaverse 1992 durch den Schriftsteller Neal Stephenson. Im Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ beschreibt Stephenson eine dystopische Vision des Metaverse, in dem die Protagonisten mit ihren digitalen Avataren interagieren.

Was ist das Metaverse genau?

Was das Metaverse in Zukunft genau sein wird, hängt davon ab, wen man fragt. Mark Zuckerberg spricht von einer „neuen Generation des Internets“, die auch als Web 3.0 bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine dreidimensional erfahrbare Version des Internets, die Nutzerinnen und Nutzer mithilfe digitaler Avatare erkunden können, wie es bislang vor allem im Gaming-Sektor (z.B. Fortnite) der Fall ist.

Im Metaverse arbeiten, sich verabreden, Konzerte besuchen, Partys veranstalten, einkaufen - Alles, was in der realen Welt möglich ist, soll zukünftig auch in der virtuellen Welt gelten. Mithilfe von Kryptowährungen wie ETH, BTC und anderen Altcoins können Güter getauscht und Dienstleistungen bezahlt werden. Investoren sichern ihr Kapital dank NFT-Technologie, die digitale Besitzverhältnisse eindeutig verbrieft. Auf bekannten Plattformen wie The Sandbox, Decentraland oder Axie Infinity geschieht dies bereits. 2021 wurden hier Grundstücke im Wert von mehr als 501 Millionen Dollar verkauft (vgl. Zahlen & Fakten in Handelsblatt).

Die 7 Kernattribute des Metaverse

Wollte man jedoch die genaue Ausformung und Tragweite des Metaverse vorhersagen, so sei dies Branchenkennern zufolge in etwa so, als ob man sich 1982 vorzustellen versuchte, wie das Internet von 2020 beschaffen sein würde. Einige Grundprinzipien ließen sich dennoch beschreiben. In seinem Essay „The Metaverse: What It Is, Where to Find it, Who Will Build It, and Fortnite“ legt der Frühphasen-Investor und Tech-Analyst Matthew Ball (u.a. EpyllionCo; Makers Fund: weltweit größter Gaming-Venture-Fonds von AUM) dem Metaverse 7 Kernattribute zugrunde. 

Das Metaverse ist:

  1. ...dauerhaft: Es kann niemals „zurückgesetzt“ oder „pausiert“ oder „beendet“ werden, es wird unendlich fortgesetzt.
  2. ...synchron & live: Auch wenn vorab geplante und in sich geschlossene Ereignisse stattfinden werden, genau wie im „echten Leben“, existiert das Metaverse für alle konsistent und in Echtzeit.
  3. ...inklusiv. Jeder kann zu jeder Zeit Teil des Metaverse sein. Es gibt keine Obergrenze zur Teilnehmerzahl. 
  4. ...voll funktionsfähige Wirtschaft: Einzelpersonen und Unternehmen können im Metaverse investieren, kaufen, verkaufen und für ein weites Spektrum an „Arbeiten“, die für Nutzer einen „Wert“ bieten, entlohnt werden. 
  5. ...konsistent & persistent: Das Metaverse umfasst sowohl die digitale als auch die physische Welt, private und öffentliche Netzwerke/Erfahrungen sowie offene und geschlossene Plattformen.
  6. ...durch Interoperabilität gekennzeichnet: Das Metaverse bietet jederzeit die Möglichkeit digitale Inhalte/ Gegenstände/Elemente zwischen einzelnen Umgebungen gleichwertig zu nutzen 
  7. ...dezentral: Das Metaverse existiert durch die Mitwirkung einer Vielzahl von Akteuren, darunter unabhängige Einzelpersonen, Organisationen und kommerzielle Unternehmen.

Auf welchen Technologien beruht das Metaverse?

Eine lebensechte virtuelle Realität wie das Metaverse funktioniert durch die integrierte Anwendung verschiedener neuer Technologien, darunter Blockchain, Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), 3D-Rekonstruktion, künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT).

Wieviele Metaversen gibt es?

Neben den öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten von Facebook aka Meta gibt es eine Fülle von Akteuren, die ihrerseits an der Entwicklung dreidimensionaler Erlebniswelten arbeiten:

  • Gaming-Sektor: Die wohl bekanntesten Beispiele für First Mover der 3-D-Technologie sind Computerspiele-Entwickler wie Roblox, Second Life oder Fortnite. 
  • Virtuelle Konferenzen: Microsoft arbeit an virtuellen Erlebniswelten für Microsoft Teams, die schon 2022 mithilfe von Virtual Reality- und Augmented-Reality-Brillen erfahrbar werden sollen.
  • Digitale Produktentwicklung: GPU-Hersteller Nvidia gehört ebenfalls zu den digitalen Pionieren und nutzt die eigene Technologie-Kompetenz zur Erschaffung des sogenannten Omniverse, eine Plattform, die es mittels verschiedener Komponenten ermöglicht, gleichzeitig an einem Modell bzw. Datensatz mit mehreren Applikationen oder Anwendern zu arbeiten. Darüber hinaus liefert das Unternehmen Hardware für den geplanten Hochleistungsrechner von Meta.
  • Soziale Beziehungen 3.0: In der Vision von Mark Zuckerberg ist das Metaverse der nächste Schritt im Bereich social connections und soll sämtliche Lebensbereiche umfassen. Aktuell liegt der Fokus zunächst auf Chat-Rooms für das Zusammentreffen von Freunden und Kollegen.

Von einem zwischenzeitlichen Kurssturz unbeeindruckt erklärte der Chef des Meta-Konzerns am Donnerstag eine personelle Veränderung, die der Implementierung des Metaverse förderlich sein soll. Der frühere britische Vize-Premierminister und Liberal Democrat Nick Clegg, der zuvor bereits seit 2018 in der Position eines Vizepräsidenten für Facebook tätig war und hier u.a. an der Einrichtung eines unabhängigen Aufsichtsgremiums (Oversight Board) beteiligt war, wird künftig das Unternehmen in allen politischen Angelegenheiten führen und sich insbesondere um regulatorische Fragen in der Metaverse-Welt kümmern:

Nick wird unser Unternehmen in all unseren politischen Angelegenheiten leiten, einschließlich der Art und Weise, wie wir mit Regierungen interagieren, sobald neue Richtlinien und Vorschriften verabschiedet werden sollen sowie das öffentliche Eintreten für unsere Produkte und unsere Arbeit.

- Mark Zuckerberg 

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Welche Chancen bietet das Metaverse?

800 Milliarden US-Dollar soll das Geschäft mit dem Metaversum bereits im Jahr 2024 umfassen, dies prognostiziert der Finanzdienst Bloomberg Intelligence (zitiert in Handelsblatt; vgl. oben). Dessen ungeachtet gibt es kritische Stimmen, die das Metaverse u.a. mit der Dotcom-Blase im März 2000 und dem Abstürzen des Neuen Marktes in Verbindung setzen, der vor allem Privat- und Kleinanleger traf. Dies gilt jedoch nicht für eine Vielzahl heute noch bekannter Unternehmen, die seinerzeit auf Wachstumskurs drangen. In den USA waren dies z.B. die Börsengänge von Unternehmen wie Amazon, Ebay oder Yahoo.

Will man die echten Chancen des Metaverse nutzen, brauche es Geduld. Zukunftsforscher wie Melanie Subin, Beratungsdirektorin des Future Today Institute, prophezeiten zwar, dass ein großer Teil der Menschen „bis 2030 in irgendeiner Weise im Metaversum“ aktiv sein werde. Um allerdings z.B. wie Neo durch die Matrix zu spazieren, müsse man weiter in die Zukunft schauen. Tatsächlich rechnen Experten aufgrund der immensen Rechenleistung mit einem vollständig entwickelten Metaverse erst in 10 bis 20 Jahren. 

Frank Steinicke, Professor für Human-Computer ­Interaction an der Universität Hamburg skizziert diese Vision des Metaverse in seinen Worten:

Ich verstehe unter dem ­Metaverse einen virtuellen Raum, der konsistent und persistent ist. Also eine große, zusammenhängende Welt, die zwar aus mehreren Teilen bestehen mag, es aber erlaubt, diese Teile ohne Einschränkungen zu betreten und zwischen ihnen zu wechseln – eben konsistent ist. Diese Welt darf jedoch nicht nur Bestand haben, während die Nutzer:innen eingeloggt sind. Sie lebt fort, unabhängig davon, wer mit ihr interagiert – ist also persistent. Die Idee des Metaverse ist, dass all die digitalen und webbasierten Anwendungen und Plattformen zusammenwachsen. Games, Handel, Social Media, virtuelle Realität.

- Professor Frank Steinicke im T3n-Trendreport 

Aktuell ist der Faktor Vernetzung allerdings noch Wunschdenken und es wird sich erst zeigen müssen, ob corporative Interessen diesen Freiheitsgedanken nicht konterkarieren. 

Marketing im Metaverse

Noch sind es vor allem große Marken, die im Metaversum investieren oder als Marke präsent sind. Nike und Ralph Lauren verkaufen ihre Kollektionen auch virtuell auf Roblox, Adidas soll an der Errichtung eines „Adiverse“ auf The Sandbox arbeiten, der Supermarktkette Kaufland und der Modemarke H&M gehören in der Spielwelt „Animal Crossing“ bereits eigene Inseln. 

Das Metaverse bietet in Zukunft aber auch für eine Vielzahl an kleinen Unternehmen & Investor*innen zahlreiche Möglichkeiten, um einen konkreten Mehrwert zu erzeugen. Grundsätzlich gilt: Beobachte den Trend und überlege, welche Plattform deine Zielgruppe bevorzugt frequentiert und wie du dich hier als Marke präsentieren kannst. 

Investieren im Metaverse

Digitale Immobilien sind ebenfalls eine Möglichkeit, um im Metaverse Umsatz zu generieren. Dein NFT-Haus oder eine NFT-Plakatwand kannst du z.B. vermieten für Events, als Show-Room oder Werbefläche. So generierst du passives Einkommen. First Mover wie G-Funk-Legende Snoop Dogg machen es vor: Wer zur Party in die The-Sandbox-Villa kommen will, braucht eine Eintrittskarte in Form eines NFT.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen schreibt im Magazin von Zandura über die wichtigsten News für Gründer und junge Unternehmen. Digitale Trends, Tipps für deine Marke, Gründungs- und Wachstumschancen erfährst du hier. Zuvor war Kathleen für Social Start-ups, Stiftungen und Digitale Plattformen redaktionell verantwortlich. Seit 2019 ist Kathleen Chefredakteurin von Zandura.

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