· Gründung & Businessplan

Gründen trotz Krise: Tim Schollbach von Zmoobi

Tim Schollbach hat sein Startup Zmoobi im Januar 2020 gegründet, kurz vor Einbruch der Corona-Pandemie. Mehr als zwei Jahre danach hat sich das Durchhalten gelohnt. Im Interview erklärt der Ecopreneur das Alleinstellungsmerkmal seiner Bio-Smoothies und gibt anderen Gründern Tipps für mehr Resilienz in Krisenzeiten.

Von Businessplan bis Finanzierung: Lass deine Idee Wirklichkeit werden!

Tim Schollbach, Gründer und Geschäftsführer von Zmoobi steht an einem Verkaufstresen vor einer Reihe von Smoothies aus der eigenen Produktion.
Tim Schollbach, Gründer & Geschäftsführer von Zmoobi im Interview

Faktencheck: Worum geht's bei Zmoobi?

1. Gesündere Smoothies aus nachhaltiger Produktion

Die Smoothies von Zmoobi enthalten mehr Gemüse als Obst und dadurch bis zu 65% weniger Fruchtzucker als herkömmliche Smoothies. Das Ganze wird nachhaltig verpackt in praktischen pflanzenbasierten 200ml TetraPaks mit Beschichtung und Deckel aus Zuckerrohr.

2. Ecopreneur aus Überzeugung

Über den Partner Eden Reforestation Projects lässt Tim in Mosambik bzw. Madagaskar pro verkaufter Smoothie-Packung 1 Baum von Einheimischen pflanzen. Die Mission lautet: 1 Mio. gepflanzte Bäume bis 2025!

3. 100 % Bio mit wachsendem Sortiment

Trotz Corona-Krise und schwierigen Startbedingungen hat Tim es geschafft sein Unternehmen kontinuierlich weiterzuentwickeln inkl. Produktstart für 2 neue Smoothie-Sorten ab 2022 (ebenfalls ausgezeichnet mit dem Bio-Siegel).

Zwei Smoothie-Packungen von Zmoobi stehen eingerahmt von frischen Möhren und Roter Beete auf einer Theke.
„Unser Ziel war es Smoothies zu entwickeln, die nachhaltiger, sozialer und gesünder sind.“

Hallo Tim, du hast dein Unternehmen Zmoobi im Januar 2020 gegründet, also kurz vor der Corona-Krise. Wie hat sich das auf deinen Start in die Selbstständigkeit ausgewirkt?

Hallo Kathleen! Danke für die Einladung zum Interview!

Mir fiel der Start dadurch ausgesprochen schwer, da ich ein Produkt entwickelt hatte, welches auf das Gesundheitsmanagement von Firmen ausgerichtet war – eine 3L Packung mit Zapfhahn, die geöffnet und ungekühlt über 6 Wochen haltbar war. Da aber über 50% der Arbeitnehmer*innen im Home Office waren, war das für die meisten Firmen der falsche Zeitpunkt, um unsere Produkte zu testen.

Leider hatte ich keinerlei Corona-Hilfen bekommen und stand so Ende letzten Jahres kurz vor der Insolvenz.

Wie konntest du das Ruder rumreißen? Wo steht Zmoobi aktuell mehr als zwei Jahre danach? 

Das Jahr 2022 ist ein gutes für mich und Zmoobi. Ich habe mir eine kleinere Investition sichern können und konnte so im Februar unsere neuen Bio-Smoothies im plastikneutralen und praktischen 200ml TetraPak auf den Markt bringen. Die Resonanz ist super und bisher konnten wir schon über 12.000Stk. verkaufen. Unter anderem beliefern wir Großhändler, Bioläden und Supermärkte in der Region Trier, aber auch Krankenhäuser und Privathaushalte. 

Gründen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit liegt im Trend: Was sind erfahrungsgemäß die größten Hürden, die angehende Unternehmer*innen deiner Meinung nach berücksichtigen sollten? 

Das Schwierigste war und ist für uns die Entscheidung für die „richtige“ Verpackung. Man kann sich entweder für eine Glasflasche entscheiden, die von der Allgemeinbevölkerung als nachhaltigste Option gehandelt wird oder man schaut sich Studien zum Gesamtfußabdruck von Verpackungen an und entscheidet sich dann für die objektiv nachhaltigere Variante.

Das Schlimme bei Plastik ist ja nicht die Produktion, sondern dass zu viel davon in der Natur landet. Deshalb investieren wir in ein Klimaschutzprojekt (www.waste-reduction.de), bei dem Plastik aus Ozeanen, Flüssen und Wäldern eingesammelt wird, um so mit jedem verkauftem Zmoobi zu einer saubereren Welt beizutragen. 

Es kam jedoch schon mehrmals vor, dass wir von Einzelhändlern oder sogar Handelsketten eine Absage erhalten haben, weil „ein Produkt in der Preisklasse in einer Glasflasche kommen muss“.

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Hast du einen Businessplan erstellt und wenn ja, warum?

Ja, das habe ich und das war grundlegend eine gute Idee, da man so seine Ideen strukturiert. Der Businessplan ist außerdem nötig, um einen Kredit zu beantragen. Jedoch sollte man immer auch bedenken, dass es eh völlig anders kommen wird und ein Businessplan retrospektiv nur wenig mit der Realität nach 2 bis 3 Jahren gemein hat. Zumindest war das bei Zmoobi in der Pandemie so.

Zmoobi ist auf ZANDURA, der Plattform zur Neukundengewinnung registriert. Was versprichst du dir davon? Welche Tools aus dem ZANDURA-Werkzeugkasten nutzt du außerdem und warum?

Mit dem Unternehmenseintrag auf ZANDURA will ich grundsätzlich meine Reichweite und Bekanntheit erhöhen, gerade im Raum Trier. 

Ich spare außerdem wertvolle Zeit, indem ich geprüfte Muster aus der ZANDURA Vorlagen-App verwende, um z.B. Verträge zu erstellen.

Zmoobi steht für Nachhaltigkeit nicht nur bezogen auf die Produktqualität. Was denkst du: Sollte der Staat mehr Regeln vorgeben, wie Unternehmen nachhaltig wirtschaften?

Ich selbst lebe seit vielen Jahren vegan und mir liegt Klimaschutz sehr am Herzen, weswegen ich schon vor der Gründung wusste, dass ich mein Startup möglichst nachhaltig aufziehen wollte.

Mit Blick auf den voranschreitenden Klimawandel wäre es vermutlich sinnvoll gewisse Regeln festzulegen. Andererseits trennt sich aus Konsumentensicht so die Spreu vom Weizen und schafft Diversität der Marken und ihrer Philosophien.

Mittlerweile sind unsere Produkte Bio, plastikneutral und sozial und demnächst auch noch klimapositiv. So kann ich meine eigenen Ansprüche an nachhaltiges Unternehmertum befriedigen, wobei ich natürlich auch hoffe, dass dies gleichgesinnte Konsument*innen anspricht. 

Welche drei Dinge/Menschen/Literatur etc. haben dich in deiner Entwicklung als Unternehmer entscheidend geprägt? 

Ich habe schon während meines BWL Studiums viele Bücher von erfolgreichen Startups und Persönlichkeiten gelesen, um Insights zu Erlangen und so aus Fehlern anderer zu lernen. Unter anderem „Die Gesetze der Gewinner“  oder die Gründungsgeschichte von MyMuesli.

Am meisten hat mich jedoch das Buch  „Kopf schlägt Kapital“ von Günter Faltin geprägt, was viele Gründerstories bereithält und an Beispielen erklärt, wie einfach man ins Unternehmertum starten kann. Ich kann dieses Buch nur jeder Person wärmstens empfehlen, die auch nur einen Hauch von Gründungslust in sich verspürt.

Und woraus ziehst du jeden Tag aufs Neue deine größte Motivation?

Entscheidend für Erfolg ist meiner Meinung nach der Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern bzw. erfolgreichen Unternehmer*innen, weil man so viele Dinge lernen und spannende Kontakte knüpfen kann, die einem früher oder später nützlich sein könnten. 

Meine persönliche Motivation liegt zum einen darin, dass ich mir selbst zeigen möchte, dass ich etwas Großes erreichen kann. So kann ich mein Selbstvertrauen aufbauen um noch viele weitere Projekte in die Tat umzusetzen. Zum anderen treibt mich aber auch unsere Mission an, bis 2025 eine Million Bäume zu pflanzen, um so viele Arbeitsplätze zu schaffen und Unmengen an CO2 zu binden.

Geschätzt 30 Prozent der Gründerinnen und Gründer geben ihre Selbstständigkeit in den ersten Geschäftsjahren wieder auf. Du bist inzwischen krisenerprobt im dritten Jahr deiner Unternehmung am Markt aktiv. Ist Scheitern trotzdem eine Option oder bist du einfach besonders resilient? 

Scheitern kommt für mich nicht in Frage. Selbst wenn man durch harte Zeiten geht, muss man sich vor Augen halten, das auch wieder bessere Zeiten kommen und das das Auf und Ab völlig normal ist.

Und wenn ich mal neue Motivation und Durchhaltevermögen tanken muss, dann hilft mir der Podcast „How I made this“, der hunderte Gründerstories mit ihren Höhen, Tiefen und Ratschlägen bzw. Weisheiten bereithält.

Zum Abschluss ein Ausblick: Was bringt die Zukunft? Wo siehst du Zmoobi noch einmal drei Jahre später gefragt? 

In drei Jahren möchte ich Zmoobi als nachhaltigsten, gesündesten und sozialsten Bio-Smoothie Europas etabliert haben und die Produktpalette auf mindestens 13 Sorten ausgebaut haben.

Wir werden uns bis dahin mehrere Investitionen gesichert haben, das Zmoobi-Team ausbauen und unsere Reichweite ungemein vergrößern.

Dann können wir uns die nächsten Nachhaltigkeitsziele setzen, um der Erde und unseren Mitmenschen noch mehr zurückzugeben und Perspektiven zu schaffen. 

So erreichst du Tim Schollbach & Zmoobi

Logo-Schriftzug von Zmoobi

Mehr Informationen findest du auf der Website von Zmoobi.

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Über den Autor

Kathleen Händel

Kathleen schreibt im Magazin von Zandura über die wichtigsten News für Gründer und junge Unternehmen. Digitale Trends, Tipps für deine Marke, Gründungs- und Wachstumschancen erfährst du hier. Zuvor war Kathleen für Social Start-ups, Stiftungen und Digitale Plattformen redaktionell verantwortlich. Seit 2019 ist Kathleen Chefredakteurin von Zandura.

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